Die temperierte Stimmung

 
Einführung in die Sitar
Ueli Raz
   
start: 10 june 2006, up-date: 10 june 2006
 
Bei der temperierten Stimmung sind zwei geschichtliche Entstehungsmotive zu unterscheiden:
1) der Wunsch nach Transponierbarkeit der Melodien auf alle Höhen fürs Zusammenspiel unterschiedlicher Instrumente und Stimmlagen (immer noch aktuell in der indisch-pakistanischen Musik mit Orgelbegleitung, wo sich die Tasteninstrumente zwar mikrotonisch bzw. rein stimmen lassen, die einmal gewählten Shrutis während des Spiels aber nicht mehr alterierbar sind) sowie
2) der Wunsch zur Modulation, d. h. der Entfaltung der Tonalität in der Kompositionsweise.
 
Wegen des ersten Motivs gibt es seit dem frühen Mittelalter unzählige Theorien der Skalierung, die zugleich als praktische Anleitung zum Tastenbau und der Stimmung von Orgeln und Klavichorden dienten. (5) Das kompositorische Bewusstsein der äquidistanten Intervalle ist aber nicht vor Bachs Wohltemperiertem Klavier anzusetzen; die Dialektik der musikalischen Werkgeschichte ist also weitgehend unabhängig von den Erkenntnissen und Bestrebungen der physikalischen Musiktheorie.
 
Die modernen Berechnungen sind nicht radikal neu. Folgende Formeln bzw. Größen sind im Gebrauch, deren Bezug zu den oben dargestellten Verfahren leicht einzusehen ist:
 
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Die relativen Cents teilen die Oktave in 1200 Crel ein, den nunmehr als temperiert definierten Halbton in 100 Cent.
 
Für die reinen Intervalle ergibt sich folgende Liste:
 
Oktave 2/1 1200 Cent
Quinte 3/2 701,955 Cent
Quarte 4/3 498,045 Cent
pythagoreische Terz 9/8 • 9/8 81/64 407,820 Cent
gr. Terz 5/4 386,314 Cent
kl. Terz 6/5 315,641 Cent
Ganzton 9/8 203,910 Cent
 
Von den Halbtönen seien nur der diatonische, quasi natürliche und der pythagoreische, d. i. das Limma ausformuliert:
a) diatonischer Halbton = Quarte minus Terz =
 
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b) Limma = pythagoreischer Halbton = Quarte minus pythagoreische Terz = „Rest“ =
 
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Mit Hilfe der Tabellen aus Reinecke (1970), um die man beim Studium der Mikrointervalle nicht herumkommt, sollten alle Berechnungen nachvollziehbar sein, die in antiken, scholastischen, neuzeitlichen und außereuropäischen Musiktheorien auftauchen oder bezüglich der Beschreibung von Obertonspektren in der Computermusik durchgeführt werden.
 
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5) Vgl. Lindley (1987). Hier ist auch eine Tabelle Newtons abgedruckt, die in weitsichtiger Vorwegnahme eine Art Centberechnung wiedergibt.