Der
erste Satz, zugleich auch der längste im gesamten Werk, vertont die
erste Strophe. Die Tempoangabe ist "Andantino moderato". Er teilt
sich auf in ein 31-taktiges instrumentales Vorspiel, dann folgt ein Teil
mit Chor und Solisten. Die Takte 66 bis 74 sind ein Tenor-Solo. Von T75
bis zum Ende (in T140;es gibt noch kurzes orchestrales Nachspiel) sind wieder
die Solisten und der Chor gemischt.
Schon im Vorspiel (T1-31) werden die musikalischen Gedanken dieses Satzes
vorgestellt. Blume teilt diesen Abschnitt in vier Gruppen auf. Kirsch ist
hier genauer, er spricht von sechs motivischen Gruppen, seine Ausführung
scheint plausibler zu sein: (27) |
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| a) |
T1-8 |
Ein
aufsteigender verminderter Septakkord über Cis, von G ausgehend,
führt in einer hellen Auflösung (Holzbläser) über
A7 in D. Es folgt eine sequenzierte Wiederholung der 4-taktigen Phrase
über Fisverm. - D7 - g-Moll. Es liegt hier also ein doppelter
Quintfall, mit Ausweichungen auf verminderte Nebenakkorde, und letzlicher
Kadenzierung in der Grundtonart g-Moll statt. |
| b)
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T9-12 |
Kurze
Staccato-Akkorde in den Streichern in piano, erneute Fixierung der
Tonart, über Es-B-c-D7 nach g-Moll (T13);
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| c)
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T13-16
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(Abweichend von Blume, der diese Phrase zum zweiten Thema hinzunimmt)
Hier fällt besonders das erstmals auftauchende Motiv (aus welchem
auch der erste Choreinsatz entwickelt ist; T32) im Bass auf und
ein breiter Nonenvorhalt mit absteigender Melodie.
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| d)
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T16-23
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Es folgt die vierfache Sequenz eines eintaktigen (und in einem zweiten
Takt wiederholten) Motivs, beginnend mit einer kreisenden Figur
(Kirsch: "wie festgenagelt") um den Ton d1 und von einer
hoquetusartigen absteigenden Seufzer-Figur gefolgt. Aus diesem Teil
wird später das Tenor-Solo (T66-74) entwickelt.
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| e)
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T24-28
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Orgelpunkt in fortissimo auf D, dazu ertönt ein chromatischer
Abstieg. Kirsch hört an dieser Stelle "die Posaunen des
Jüngsten Gerichts und die Kriegstrompeten der die Kreuzigung
vornehmenden Soldaten zugleich" (2),
wogegen das letzte Motiv,
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| f)
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T28-31 |
die "Geißelung" und die "Dornenkrönung"
seiner Ansicht nach darstellen sollen. Im Notentext steht ein in
sforzato stehendes punktiertes Motiv unter einem Halteton C, das
sich in T30 öffnet und in den nächsten Abschnitt überleitet.
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| Womöglich
wäre es besser, das Motiv f) auf die Takte 28/29 zu beschränken
und die nächsten beiden Takte als Beruhigung und Überleitung zum
nächsten Abschnitt anzusehen, da jedoch beide Teile niemals getrennt
in diesem Satz auftauchen, ist eine genauere Unterscheidung hier irrelevant. |
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| In
Takt 32 (bis 41) beginnt der Chor ein Motiv, das der ursprüchen Choralmelodie
stark ähnelt, imitatorisch von unten nach oben (B-T-S) durchzuführen.
Auf die Ähnlichkeit dieser melodischen Figur mit dem Ursprungschoral
weisen beide Autoren hin. |
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| Choral
im LU: (29) |
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| Choreinsatz,
beginnend im Bass, Takt 32 |
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| Eine
im gesamten Werk sehr häufig verwendete Neapolitanische Kadenz in T41
leitet über zum eigentlichen lyrischen Thema, welches die Solisten
vortragen. In T50 tritt der Chor hinzu, das Thema übernehmend, das
wiederum von den Solisten weitergeführt wird (T54-57). Bei energischer
Untermalung durch den Abschnitt e) ertönt es in Unisono aus dem Chor:
"dum pendebat Filius". Nun folgt nach dem Überleitungs-Abschnitt
f) in T66 ein leidenschaftliches Tenor-Solo, dessen Begleitung dem Abschnitt
d) entspringt. Die Takte 75 bis 91 bringen wieder einen Dialog zwischen
Soli und Chor über "dum pendebat Filius", auch hier wieder
mit neapolitanischen Kadenzen (T75/76, T77/78 und T90). Dem chromatischen
Abstieg der Tenöre folgt ein vom Chor ausgeführter harmonischer
Bogen durch die Tonarten g-Moll, Des-Dur, Es und D von T83-90. |
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| Wieder
bringt der Chor (T91) das Thema von T42. Von der Figur aus Abschnitt d)
begleitet (T95-102), wirkt der weitere Gesang durch die homophone Gestaltung
des Chorsatzes und der punktierten Viertelnoten wesentlich stärker
in sich gekehrt, gerade aufgrund des Kontrastes zur tänzerisch wirkenden
Begleitung an dieser Stelle und der Schaffung zweier stark kontrastierender
Ebenen innerhalb der Musik. |
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| Die
Takte 102 bis 118 bringen nochmals das Motiv e) (von 102 bis 110 und ab
111 in Wiederholung), jeweils mit 2 Takten Abgesang und Kadenz. |
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| Ab
T118 beginnt im Orchesterteil nochmals die Einleitung mit Aufreihung der
Abschnitte a), b) c), d) - diesmal aber nicht chromatisch absteigend, sondern
sich in Terzen aufschwingend, e) in veränderter Form (Einschub des
melodischen Abstieges aus dem Nonenvorhalt in c) mit hämmernden Schlußakkorden
in fortissimo. Der Chor folgt dem Orchesterspiel teilweise musikalisch in
sich gekehrt teilweise mit dem Orchester singend (c)). |
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| Kirsch
vergleicht das Vorspiel (T1-31) in diesem Satz mit einer Opernouvertüre
und läßt so das Orchester programmatisch die Vorgeschichte, die
Leiden Christi, erzählen (30). |