2. Introduzione

 
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von mag. dominik sedivy
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start: 06 july 2006, up-date: 06 july 2006
Der erste Satz, zugleich auch der längste im gesamten Werk, vertont die erste Strophe. Die Tempoangabe ist "Andantino moderato". Er teilt sich auf in ein 31-taktiges instrumentales Vorspiel, dann folgt ein Teil mit Chor und Solisten. Die Takte 66 bis 74 sind ein Tenor-Solo. Von T75 bis zum Ende (in T140;es gibt noch kurzes orchestrales Nachspiel) sind wieder die Solisten und der Chor gemischt.
Schon im Vorspiel (T1-31) werden die musikalischen Gedanken dieses Satzes vorgestellt. Blume teilt diesen Abschnitt in vier Gruppen auf. Kirsch ist hier genauer, er spricht von sechs motivischen Gruppen, seine Ausführung scheint plausibler zu sein: (27)
a) T1-8 Ein aufsteigender verminderter Septakkord über Cis, von G ausgehend, führt in einer hellen Auflösung (Holzbläser) über A7 in D. Es folgt eine sequenzierte Wiederholung der 4-taktigen Phrase über Fisverm. - D7 - g-Moll. Es liegt hier also ein doppelter Quintfall, mit Ausweichungen auf verminderte Nebenakkorde, und letzlicher Kadenzierung in der Grundtonart g-Moll statt.
b) T9-12

Kurze Staccato-Akkorde in den Streichern in piano, erneute Fixierung der Tonart, über Es-B-c-D7 nach g-Moll (T13);

c)

T13-16

(Abweichend von Blume, der diese Phrase zum zweiten Thema hinzunimmt) Hier fällt besonders das erstmals auftauchende Motiv (aus welchem auch der erste Choreinsatz entwickelt ist; T32) im Bass auf und ein breiter Nonenvorhalt mit absteigender Melodie.

d)

T16-23

Es folgt die vierfache Sequenz eines eintaktigen (und in einem zweiten Takt wiederholten) Motivs, beginnend mit einer kreisenden Figur (Kirsch: "wie festgenagelt") um den Ton d1 und von einer hoquetusartigen absteigenden Seufzer-Figur gefolgt. Aus diesem Teil wird später das Tenor-Solo (T66-74) entwickelt.

e)

T24-28

Orgelpunkt in fortissimo auf D, dazu ertönt ein chromatischer Abstieg. Kirsch hört an dieser Stelle "die Posaunen des Jüngsten Gerichts und die Kriegstrompeten der die Kreuzigung vornehmenden Soldaten zugleich" (2), wogegen das letzte Motiv,

f) T28-31

die "Geißelung" und die "Dornenkrönung" seiner Ansicht nach darstellen sollen. Im Notentext steht ein in sforzato stehendes punktiertes Motiv unter einem Halteton C, das sich in T30 öffnet und in den nächsten Abschnitt überleitet.

Womöglich wäre es besser, das Motiv f) auf die Takte 28/29 zu beschränken und die nächsten beiden Takte als Beruhigung und Überleitung zum nächsten Abschnitt anzusehen, da jedoch beide Teile niemals getrennt in diesem Satz auftauchen, ist eine genauere Unterscheidung hier irrelevant.
In Takt 32 (bis 41) beginnt der Chor ein Motiv, das der ursprüchen Choralmelodie stark ähnelt, imitatorisch von unten nach oben (B-T-S) durchzuführen. Auf die Ähnlichkeit dieser melodischen Figur mit dem Ursprungschoral weisen beide Autoren hin.
Choral im LU: (29)
Choreinsatz, beginnend im Bass, Takt 32
Eine im gesamten Werk sehr häufig verwendete Neapolitanische Kadenz in T41 leitet über zum eigentlichen lyrischen Thema, welches die Solisten vortragen. In T50 tritt der Chor hinzu, das Thema übernehmend, das wiederum von den Solisten weitergeführt wird (T54-57). Bei energischer Untermalung durch den Abschnitt e) ertönt es in Unisono aus dem Chor: "dum pendebat Filius". Nun folgt nach dem Überleitungs-Abschnitt f) in T66 ein leidenschaftliches Tenor-Solo, dessen Begleitung dem Abschnitt d) entspringt. Die Takte 75 bis 91 bringen wieder einen Dialog zwischen Soli und Chor über "dum pendebat Filius", auch hier wieder mit neapolitanischen Kadenzen (T75/76, T77/78 und T90). Dem chromatischen Abstieg der Tenöre folgt ein vom Chor ausgeführter harmonischer Bogen durch die Tonarten g-Moll, Des-Dur, Es und D von T83-90.
Wieder bringt der Chor (T91) das Thema von T42. Von der Figur aus Abschnitt d) begleitet (T95-102), wirkt der weitere Gesang durch die homophone Gestaltung des Chorsatzes und der punktierten Viertelnoten wesentlich stärker in sich gekehrt, gerade aufgrund des Kontrastes zur tänzerisch wirkenden Begleitung an dieser Stelle und der Schaffung zweier stark kontrastierender Ebenen innerhalb der Musik.
Die Takte 102 bis 118 bringen nochmals das Motiv e) (von 102 bis 110 und ab 111 in Wiederholung), jeweils mit 2 Takten Abgesang und Kadenz.
Ab T118 beginnt im Orchesterteil nochmals die Einleitung mit Aufreihung der Abschnitte a), b) c), d) - diesmal aber nicht chromatisch absteigend, sondern sich in Terzen aufschwingend, e) in veränderter Form (Einschub des melodischen Abstieges aus dem Nonenvorhalt in c) mit hämmernden Schlußakkorden in fortissimo. Der Chor folgt dem Orchesterspiel teilweise musikalisch in sich gekehrt teilweise mit dem Orchester singend (c)).
Kirsch vergleicht das Vorspiel (T1-31) in diesem Satz mit einer Opernouvertüre und läßt so das Orchester programmatisch die Vorgeschichte, die Leiden Christi, erzählen (30).