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start:
10 mai 2004, up-date: 10 mai 2005
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| Die Entstehung der Capoeira |
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"Capoeira wurde auf den Plantagen in Bahia während des 18. Jahrhunderts, als die Mehrheit der Sklavenarbeiter noch angolanischer Herkunft war, als Ausbildung zur Selbstverteidigung und fiktiven Resistenz gegen die Sklavenhalter entwickelt. Die Teilnehmer am Capoeira-Kampfspiel, das Johann Moritz Rugendas im Bildtext zu seiner Zeichnung als »Jogar Capoera - Danse de la guerre« bezeichnet, versammelten sich in den »senzalas«, nicht selten nachts, um verschiedene Positionen und Techniken von Angriff und Verteidigung einzuüben. Gewöhnlich geschah dies ohne Waffen, manchmal aber mit Messern." Kubik, 1991, S.132, B5442B |
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Die
verschiedenen Kampfstellungen wurden später als "Golpes"
bezeichnet. Die Golpes bilden ein reiches Repertoire mit einer eigenen
Terminologie: Ginga, Cocorinha, Negativa, Vôo de Morcego, Tesoura,
Rasteira, Bencao, Martelo, Cabecada, Aú, Rabo de Arraia etc...
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| Die Plantagenbesitzer wussten von diesen Übungen. Um einem Verbot durch ihre Eigentümer zu entgehen, tarnten die Sklaven bereits damals ihren Kampfübungen als ein harmloses Spiel, genannt "a brincar de Angola". Somit wurden diese Übungsstunden "geduldet". |
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"Da es auch einer Aggressionsablenkung innerhalb der afrikanischen Gruppe diente, wurde Capoeira geduldet." Kubik, 1991, S.132, B5442B |
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"Gelegentlich wurde dieses Kampfspiel jedoch suspekt und fand dann einige Zeit lang im Geheimen statt. In einer späteren Phase, etwa gegen Anfang des 20. Jahrhunderts, als das Spiel längst folkloristische Züge angenommen hatte, und der »berimbau«-Musikbogen bereits integriert war, wurden Capoeira Zusammenkünfte oft von berittener Polizei in Bahia, der sogenannten »cavalaria«, aufgelöst. Wenn sich diese, oder sonst ein Fremder der »roda« (dem Reigen) eines Capoeira-Spiels näherte, änderte der Musikbogenspieler seine rhythmische Formel (»toque«); dadurch wurden alle Teilnehmer gewarnt und das Ganze wurde blitzschnell aus einem Kampf in einen harmlosen Tanz verwandelt. Die Formel, um vor der »cavalaria« zu warnen, heißt »cavalaria« und ist heute noch als »toque de aviso« bekannt. Die »toques« des Musikbogens sind teilweise eine sehr alte, nach Angola zurückreichende Tradition. (Zu den musikologischen Aspekten vgl. Kubik 1979a: 30 und de Oliveira Pinto, 1986a.)" Kubik, 1991, S.133, B5442B |
| Zwei neue Trends |
| Nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1888 verlor Capoeira naturgemäss seinen ursprünglichen Sinn. |
| Jedoch geriet dadurch weder Capoeira in Vergessenheit, noch sind die alten Capoeiristas verschwunden. |
| Nunmehr begannen sich zwei neue Trends in der Geschichte des Capoeira´s zu entwickeln. |
| Erste Trend ist die Kriminalisierung des Capoeira´s. |
| "Wie nicht selten dort, wo eine programmierte Revolution abortiv endet oder in die Aussichtslosigkeit getrieben wird, gleitet der ursprünglich revolutionäre Geist in den kriminellen Bereich ab: es bilden sich bewaffnete Banden. Eine solche Phase scheint Capoeira in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgemacht zu haben. Tiago de Oliveira Pinto (1986b : 148-149) faßt dies mit folgenden Worten zusammen: |
| »Da die capoeira-Kampf technik Ende des letzten Jahrhunderts, auch noch nach Aufhebung der Sklaverei im Jahre 1888, oftmals bei Auseinandersetzungen rivalisierender Gruppen untereinander, zum Einsatz kam und dann, vor allem in den Städten Salvador und Rio, nicht selten zu Blutvergießen führte, versuchte die Polizei immer wieder, die capoeira-Praxis ganz zu unterdrücken. Von Zeit zu Zeit gelang es einmal, sogenannte 'Banden' (maltas) aufzulösen - in den Jahren zwischen 1865 und 1870 etwa, als viele capoeiristas für den Krieg gegen Paraguay zwangsrekrutiert wurden. Auf dem Schlachtfeld, so heißt es, hätten sie sich sehr erfolgreich für das Vaterland eingesetzt. |
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Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich in Rio de Janeiro zwei große rivalisierende capoeira-Gruppen gebildet, deren Mitglieder zum Teil sogar in die Dienste von Politikern traten, betraut mit der Aufgabe, politische Gegner einzuschüchtern: Bei manchen dieser Gelegenheiten fiel man mit versteckt mitgeführten Messern und Rasierklingen übereinander her. Erst um die Jahrhundertwende gelang es dem gefürchteten Polizeichef Sampaio Ferraz, den kriegerischen maltas in Rio Einhalt zu gebieten.«" Kubik, 1991, S. 133- 134, B5442B |
| Der zweite Trend ist die Entfremdung der real-kämpferischen Inhalts des Capoeiras und die Umwandlung dessen zu einem tanz- Spiel, "O jogar de capoeira". |
| Das ist das stilisierte, inszenierte Tanz- Kampfspiel. Die Entwicklung dieser Variante führt uns bis in die Gegenwart und ist sie wahrscheinlich noch immer nicht abgeschlossen. |
| "In dieser Phase wurden aus verschiedensten afro-brasilianischen Traditionen jene Musikinstrumente übernommen, die heute mit der Capoeira assoziiert werden und ihre Begleitung bilden: vor allem der während des 19. Jahrhunderts (vgl. Debret 1834: 39, 129) in Rio de Janeiro als Soloinstrument überaus beliebte angolanische, Kalebassen-resonierte Musikbogen, der dort unter dem Namen »oricongo« bekannt war." Kubik, 1991, S. 134, B5442B |