Historische Dokumente

über Capoeira

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von dr. memo g. schachiner
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start: 10 mai 2004, up-date: 10 mai 2005
Historische Dokumente über Capoeira
 
Das früheste Dokument soll ein Buch von Augustos Earle sein, welches mit Bild und Text unter anderem auch über Capoeira Stellung nimmt. Earle war 1821 als "Reisender" in Rio. Leider konnte ich diesen Dokument bis jetzt nicht besichtigen.
Das nächste Dokument ist 1835 datiert.
"Eine kurze, jedoch sehr wertvolle Beschreibung von Capoeira aus dem frühen 19. Jahrhundert, als die Zusammenkünfte noch in den »senzalas« (Sklavensiedlungen) auf den Plantagen stattfanden, findet sich bei Rugendas 1835, im Kapitel: Sitten und Gebräuche... S. 26..." Kubik, 1991, S. 131, B5442B
 
"Das Wort »senzala« kommt von Kimbundu: sanzala, wo es einfach »Dorf«, »Siedlung« bedeutet. Rugendas beschreibt zuerst einen Kampf mit Stangen, der eine Vorform dessen darstellen könnte, was man heute Maculele nennt, und schließlich Capoeira." Kubik, 1991, S. 131, B5442B
 
 
 
Das nebenstehende Capoeira- Bildnis ist aus dem Buch Rugendas entnommen. img0000000395.jpg
»Hier verdient auch noch eine Art von Kriegstanz angeführt zu werden. Es stellen sich zwei Parteien mit Stangen bewaffnet gegenüber, und die Kunst besteht darin, den Stößen des Gegenüberstehenden auszuweichen. Viel gewaltsamer ist ein anderes Kriegsspiel der Neger, Jogar capoera, das darin besteht daß einer den andern durch Stöße mit dem Kopf auf die Brust, denen sie durch gewandte Seitensprünge und Pariren ausweichen, umzuwerfen sucht, indem sie fast wie Böcke gegeneinander anspringen und zuweilen gewaltig mit den Köpfen gegeneinander rennen. Hiebei geschieht es nicht selten, daß der Scherz in Ernst übergeht und blutige Köpfe oder Messer dem Spiel ein Ende machen.«Kubik, 1991, S. 131-132, B5442B
 
Wissenschaftliche Literatur
 
"The Brazilian Capoeira game has attracted the attention of several cultural scientists." Kubik, 1979a, S. 27, B5441B
Die Reichhaltigkeit der wissenschaftlichen, aber vor allem die trivialen Literatur über Capoeira ist überraschend.
Wegen des kleinen Rahmens dieser Studie werde ich die Literaturliste im Anhang nur auf die hier zitierten Quellen beschränken.
"Die umfassendste, aus brasilianischer Sicht geschriebene Arbeit über Capoeira mit einer Fülle von Daten aus Bahia ist jene von Waldeloir Rego (1968)." Kubik, 1991, S. 131, B5442B
 
Den endgültigen Nachweis der angolanischen Herkunft des Capoeiras haben wir eher Kubik zu verdanken. Auf Grund seiner langjährigen und sehr intensiven Feldforschungen in Angola wie in Brasilien war er im Stande, die Bewegungsmotive, musikalischen- und motionalen- Patterns sowie die Musikinstrumente und deren Spielweisen zu vergleichen. Kubik,1979a, B5442B, und Kubik, 1991, B5442B
 
"Die Vertreter des weitaus berühmteren Kampfspiels von Bahia, Capoeira, sind sich der historischen Beziehungen zu Angola voll bewußt. Auch die Herkunft des Musikbogens (»berimbau de barriga«), der allerdings erst im 20. Jahrhundert in das »Capoeira«-Spiel integriert wurde, aus Angola ist nachgewiesen. (Vgl. Kubik 1979a: 33-34.) In den »toques« (Spielweisen, Patterns) des »berimbau« sind nicht nur stilistische Abhängigkeiten, sondern auch mehrere verbale Referenzen zu Angola feststellbar, etwa: »Banguela« oder »Säo Bento Grande de Angola«. Der Name der älteren Form dieses Kampfspiels ist »Capoeira Angola«, sie wird der sogenannten »Capoeira Regional« des Mestre Bimba gegenüber gestellt (Rego 1968: 32). Auch der Ausdruck »a brincar de Angola« für das Capoeira-Spiel war gebräuchlich (Viver Bahia, No. 25, Outubro 1975: 5)." Kubik, 1991, S. 131, B5442B