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| Die
Mechitaristen |
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| Auf
ihrer Wanderung in der Weltgeschichte war eine religiöse Gemeinschaft in
drei historischen Musikmetropolen zu Hause: |
| In
Konstantinopel, in Venedig und in Wien. |
| Man
nennt sie "Die Mechitaristen". |
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| Auf
meiner Suche nach den musikalischen Mediatoren zwischen den Habsburgern
und Osmanen kam ich bald auf sie. |
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| Die
Mechitaristen Congregation ist in meiner Nachbarschaft: |
| Mechitaristengasse
4, im 7. Wiener Gemeindebezirk. |
| Ich
vereinbarte einen Termin und besuchte Ende Juni Vater Vahan im Kloster. |
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| Der
sehr bescheiden, aber seiner alten Kultur sehr bewußt wirkende Geistliche
empfing mich, den ewig neugierigen Besucher, mit der tradierten armenischen
Gastfreundschaft und Weltoffenheit. |
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| Bald
stellen wir fest, daß wir fast Landsmänner sind: |
| Seine
Eltern sind in Kamischli geboren. Also in einem heute kurdisch bewohnten
und nach dem ersten Weltkrieg der "Republik der Türkei" zugeteiltem
Gebiet. |
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| Im
Wandel der Zeiten |
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| Vater
Vahan erzählt: |
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| "Am
8. September 1701 gründete der Mechitar von Sebaste (geb. 1676)
in Konstantinopel einen neuen Orden." |
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| "Die
Behörden in Konstantinopel machten es den Brüdern nicht leicht. So tarnten
sich die Mechitaristen als Personal einer Druckerei. Am Tag betrieben sie
ihre Druckerei, am Abend aber, nach Betriebsschluß, wendeten sie sich ihrem
Gebet zu." |
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| Ich
frage ungeduldig: |
| "Haben
die Brüder damals auch gesungen?" |
| "Selbstverständlich" |
| "Was?" |
| "Sicher
armenisch." |
| "Auch
Instrumente?" |
| "Wer
spielen konnte, hat gespielt." |
| "Was?" |
| "Was
damals in Konstantinopel als Musikinstrument gängig war." |
| "Das
heißt, auch später in der Wiener Kirche..." |
| "Am
Anfang war nur der Gesang gestattet. Später wurde auch Orgel zugelassen." |
| "Heute?" |
| Vater
Vahan lacht glücklich: |
| "Heute
gibt es keine Beschränkung. Wir haben Leute, die gut Saxophon spielen." |
| Ein
oft gegangener Weg, denke ich mir. Viele Gebetshäuser der verschiedenen
Religionsgemeinschaften folgten dem Weg der musikalischen Vielfalt. Ich
wünsche mir, daß auch die verspäteten nachkommen werden. |
| Vater
Vahan erzählt weiter: |
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| Die
armenischen Benediktiner |
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| "Das
Leben wurde für die Brüder von Tag zu Tag schwerer. |
| Schließlich
nahm der Stifter und Abt Mechitar seine Brüder mit und verließ das osmanische
Reich. |
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| Das
Ziel war Peloponnes. Dort errichteten sie ein armenisch- benediktinisches
Kloster. |
| Papst
Klemens XI. bestätigte sie als "Benediktiner". Seit dem heißen
die Mechitaristen zu Recht auch "armenische Benediktiner"." |
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| Was
spielte sich in Peloponnes ab? Was brachten die Mechitaristen dort musiklaisch
ein und was nahmen sie in sich auf? |
| Dazu
später! |
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| Nächste
Station |
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| Im
Wandel der Zeiten wanderten die Mechitaristen weiter: |
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| Nächste
Station war San Lazzaro, eine der kleinen Inseln Venedigs. Die unermüdlichen
Brüder gründeten auch hier ein Kloster. |
| 1773
trennte sich ein Teil der Mönche vom Stammhaus in Venedig. Sie ließen sich
in Triest nieder. |
| Triest
wurde 1797 und 1805 von den französischen Truppen besetzt. Und siehe, Triest
war damals innerhalb des habsburgischen Territoriums. |
| Mit
der Besatzung verloren die Mechitaristen all ihre Hab und Gut. So blieb
ihnen nichts übrig, als in Wien Asyl zu suchen. |
| Schließlich
hatten sie mehr Glück als manche anderen Verfolgten im heutigen Wien: |
| Mit
einem Kabinettschreiben vom 5. Dezember 1810 nahm Kaiser Franz I. die vertriebenen
Patres in der Residenzstadt auf. |
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| Ihre
erste Unterkunft war das verlassene kleine "Kapuziner Kloster"
am Platzl in der Vorstadt St. Ulrich. |
| 1837
wurde das heutige Kloster nach den Plänen des bekannten Architekten Joseph
Kornhäusel errichtet. |
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| Das
Kloster und die Kirche |
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| Der
Entwurf der in dem Klosterbau integrierten Kirche stammt aus
der Feder des Camillo Sitte. |
| Der
Seitenaltar, der Gregor dem Erleuchter gewidmet ist, wurde vom
Architekten des Wiener Parlaments, Teophil von Hansen geschaffen.
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| Die
Druckerei |
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| Die
fleißigen Mechitaristen gingen auch in Wien ihrem alten Gewerbe nach: Sie
errichteten auch hier eine Druckerei. |
| Heute
ist die Druckerei volkommen modernisiert und profitiert besonders von der
Offenheit gegenüber den Orientsprachen: |
| Unter
anderem gehören armenische, griechische und arabische Schriften zum Standard-
Repertoire der Druckerei. |
| Was
liegt näher als eine Bibliothek und ein Museum in so einem Schrift- und
Kultur gebundenem Orden? |
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| Bibliothek
und Museum |
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| In
der Bibliothek sind 170.000 Bände! |
| Darunter
sind 2600 armenische Handschriften. Die Älteste stammt aus dem
9. Jahrhundert. |
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| Im
Museum befinden sich neben den Raritäten der Volkskunst, Keramiken, Silberschmideabeiten,
sakrale Kunst, bedeutende Werke der armenischen Malerei, auch eine armenische
Münzensammlung, dessen ältestes Exemplar im 4. Jh. v. Chr. geprägt wurde. |
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| Ich
habe mich entschlossen, eine glückliche Zeit meines Lebens in diesem Museum
(für mich eine Schatzkammer) zu verbringen. |
| Der
Bruder, der die Schlüsseln zu der Schatzkammer trägt, spricht besser kurdisch
als ich. Ich darf ihn jederzeit anrufen. |
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| Sonntagsmesse |
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| Wer
noch Lust hat, diese aus der "Ferne" kommenden Wiener Christen
zu besuchen, kann nach jeder Sonntagsmesse mit einem heißen armenischen
Kaffee rechnen. |
| Das
gleiche Gesöff kann man/frau bei mir als je nach Anlass- griechischen
oder kurdischen Kaffee trinken. Dieselbe Gattung ist in Wien auch als "türkischer
Kaffee" bekannt. |
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| Wie
fremd und wie verwandt sind unsere Kulturen! |
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| Nach
dem Kaffee werde ich über die Liturgie der Mechitaristen berichten... |