III. Abschnitt

Das Problem des

'velvele' und der

Muzaaf Devri Kebir, 2.

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von dr. heinz - peter seidel
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start: 18 november 2006, up-date: 18 november 2006
Abgesehen von Fragen der Notation (vgl. NB 1), die dort behandelt werden konnten, hatte sich beim Exzerpieren von 'Strukturformeln' am Beispiel des 'verdoppelten' Devri kebir (Tabelle: 9) ein Dissens zwischen erstem und zweitem Durchgang durch die Distanzen 1 - 14 ergeben. Zu prüfen ist zunächst, was beim 'Muzaaf Devri kebir' die 'Verdoppelung' bedeutet. Wir teilen dazu den Abdruck (Kopie) der Originalnotation dieses Usul aus der Klassikerausgabe mit. (11) Den Fehler, den wir im Zitat des Muzaaf Devri kebir (vgl. NB 1) und im Beispiel 9) in der Tabelle bereits korrigiert hatten, berichtigen wir auch im Abdruck:
 
Notenbeispiel 14
 
 
 
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Der 'Muzaaf Devri kebir' (NB 14, Tabelle: 9), der in der Klassikerausgabe zusammen mit dem 'Devri kebir' (Tabelle: 8) als Beispiel für 'velvele' mitgeteilt ist (12), hat die Vorzeichnung '14/2', jener dagegen '14/4'. In der Tabelle, wo wir in gradzahligem Verhältnis (1:2...) neutrale Zeitdistanzen gelesen haben, war die Vorzeichnung ohne Belang. Der Muzaaf Devri kebir erstreckt sich aber zweimal über die Distanz von 1 - 14 (Tabelle: 9) und ist auf dem Abdruck (NB 14) am Doppelstrich zu Ende. Die Vorzeichnung ist daher falsch und muß, bleibt man bei der Zählzeit einer Halben, '28/2' heißen. Aber der Abdruck verrät explizit, was die 'Verdoppelung', die den 'Devri kebir' zum 'Muzaaf Devri kebir' macht, heißen soll.
 
Das Sektionsgerüst (Asli zarplar) des Devri kebir steht im Abdruck über dem 'ausnotierten' Usul, endet nach vierzehn Halben, wie der 'Schlußstrich' an beiden Linien, welche die beiden Kudüm darstellen, notationstechnisch verdeutlicht ; die 'Grundform' (: das Sektionsgerüst) wiederholt sich ein zweites Mal und endet am Doppelstrich. Dieser Vorgang deckt sich mit dem Bild der durch die Schrägstriche von 'Asli zarplar' zu 'velveleler' (13) gewonnenen 'Abschnitte', an denen das jeweilige 'velvele' der entsprechenden Sektion des Usul-Gerüstes abgelesen werden soll.
 
Zusammengenommen besagen diese Informationen: Der Muzaaf Devri kebir (14/2) ist ein rythmisches Muster (Usul ), das sich konstituiert aus einem Devri kebir (14/4) und dessen Wiederholung!
 
Daß diese Auffassung nicht richtig ist, belegen wir wie folgt:
1. Zwar ist die Vorzeichnung '14/2', bezogen auf die Zählzeit, die Verdoppelung von '14/4': dies ist das Ergebnis einer Überlegung, das nur aus der Interpretation des Prädikativs 'muzaaf' resultiert, nicht aber die Praxis beschreibt. Der Sachverhalt im Notenbild beweist, daß das rhythmische Muster falsch bemessen ist.
2. Der zweite Durchgang des Devri kebir zeigt Identität nur als 'Asli zarplar'. Als 'velvele' unterscheidet er sich durch eine - im Gegensatz zum ersten Durchgang - andere Charakteristik.
 
Das bloße Vorhandensein dieser 'anderen Charakteristik' braucht an sich noch kein Beweis dafür zu sein, daß die in NB 14 wiedergegebene Auffassung des Muzaaf Devri kebir unrichtig ist. Vielmehr
könnte der Grund im Vorgang des 'velvele' zu suchen sein.
 
Wie bei den anderen Lesarten untersuchen wir daher auch den Muzaaf Devri kebir auf seine 'Strukturformeln' hin.
 
3. Wenden wir unseren Satz: 'Der Usul Devri kebir ist definiert durch die festgelegte Abfolge von Sektionen, welche in einem festgelegten Verhältnis relativer Dauern zueinander organisiert sind.' sowohl auf den 'Devri kebir' (Tabelle: 8) als auch auf den 'Muzaaf Devri kebir' (Tabelle: 9, NB 14) an, so heißt dies, daß wir beide Lesarten der einmaligen Abfolge der Sektionen (Asli zarplar) unterstellen. Diesen Sachverhalt zeigt das anschließende Notenbeispiel:
 
Notenbeispiel 15
 
 
 
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NB 15 entspricht der Notationsweise der Tabelle. Die Sektionen (NB 15, a) sind durch senkrechte Striche von einander abgegrenzt. Die relativen zeitlichen Distanzen von 1 - 14 sind auf den allen drei Lesarten gemeinsamen Zeitwert einer Halben gebracht, warum der 'Devri kebir' im Verhältnis 1 : 2 augmentiert, der 'Muzaaf Devri kebir' im gleichen Verhältnis diminuiert werden mußte. Beim Vergleich der einzelnen Sektionen können wir uns auf die entsprechenden Ausführungen im Il. Abschnitt rückbeziehen.
 
Die Sektion 'düm' (Distanz 10) erscheint in NB 15 unterteilt als mehrfaches 'düme'. Daß der Muzaaf Devri kebir hier mehr Unterteilungsschläge aufweist, ist nicht verwunderlich. Realiter ist diese Sektion im Gegensatz zum 'Devri kebir' von der vierfachen Länge und damit von der vierfachen Dauer (vgl. Tabelle: 8 und 9). Distanz 11 - 12 (NB 15), zeigt als 'tahek' in beiden 'Devri kebir'die gleiche Charakteristik, die wir früher schon besprochen haben; aus den eben genannten Gründen hat der Muzaaf Devri kebir an dieser Stelle wiederum mehr Unterteilungsschläge. Daß die zweite Hälfte der Sektion 'düm' in der Distanz 1 (vgl. NB 15, b und c) beim Muzaaf Devri kebir nicht mehr als 'düme', sondern nur als im weiteren Sinne 'tek' dargestellt werden kann, ist offenkundig. Denn das 'm' (NB 15b) als zweiter Teil des 'düme' wird auf der linken Kudüm geschlagen. Ihm entsprechen mehrere Unterteilungsschläge nur, wenn sie ebenfalls auf der linken Kudüm realisiert werden. Als 'düme' ('d - m') aber würden diese Unterteilungsschläge zwangsläufig auf beiden Kudüm realisiert werden müssen. Die gleichen Feststellungen lassen sich für die übrigen Sektionen am Notenbeispiel 15 treffen.
 
Die Definition des 'Muzaaf Devri kebir' heißt also nicht:
'Der Muzaaf Devri kebir ('14/2') ist ein rhythmisches Muster (Usul), das sich konstituiert aus einem Devri kebir ('14/4') und dessen Wiederholung', sondern:
Der Muzaaf Devri kebir ist ein Devri kebir, dessen Sektionen augmentiert sind; der Muzaaf Devri kebir ist die augmentierte Form des Devri kebir.