II. Abschnitt

Zur Notation

des Devri Kebir, 4.

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von dr. heinz - peter seidel
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start: 09 june 2006, up-date: 09 june 2006
Das verbleibende 'düm' im Zeitwert zweier Distanzen (4 - 5) läßt sich praktisch auf diese Figuren zurückführen:
 
Notenbeispiel 12
 
 
 
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Die Darstellung der gleichen Sektion bei Öztuna (Tabelle: 10) erachten wir für nicht richtig. Der erste Zeitwert in Distanz 5 müßte als g' notiert sein und darunter hätte entsprechend ein 'tek' zu stehen. Nur in diesem Falle würde sich die Lesart mit allen anderen uns bekannten decken. Auch ist uns für den 'Sofian', den Öztuna an dieser Stelle mit der Vorzeichnung '4/4' meint, keine Lesart bekannt, die den Sofian als Abfolge 'düm - tek - düm - düm' mitteilt. Möglicherweise handelt es sich um einen Druckfehler, denn auch die zweite Lesart von Öztuna (Tabelle: 11, Distanz 4) enthält im Original eine Angabe, die allerdings zweifelsfrei ein Versehen ist. Dort steht unter dem 'düm' die Verhältniszahl '2', welche wir in der Tabelle korrigiert als '4' eingetragen haben. Der weitere Text erhärtet, ohne daß wir noch einmal darauf zurückkommen werden, unsere Auffassung, daß die bezeichnete Stelle bei Öztuna falsch notiert ist.
 
Thibaut und Yekta hatten mehrfach bezeugt (vgl. I. Abschnitt), daß 'teke' wie 'teka' ein sukzessives 'düm - tek' seien und sie meinten damit die Schlagfolge 'rechte Hand - linke Hand', ohne indessen durch Zuhilfenahme von 'genou droit' und 'genou gauche' dieses 'teke' (oder 'teka') genauer zu spezifizieren. Das Problem der mehrfachen Bedeutung von 'düm' und 'tek' blieb bestehen, auch in den Notenbeispielen von Thibaut und Yekta (Tabelle: 2 bis 7). Wir behaupten nunmehr,daß das 'teke' beziehungsweise das 'teka' nicht zu lesen ist wie in NB 12d, sondern wie in NB 12c. Nach den Angaben von Thibaut und Yekta war streng nur so zu rekonstruieren, wie wir in den Beispielen 4), 5), und 7) der Tabelle (Distanz 5, erste Hälfte) notiert haben. Das sukzessive 'düm - tek' des 'teke' heißt demzufolge also: 'düm' = 'die rechte Hand schlägt die rechte Kudüm (genou); 'tek' ='die linke Hand schlägt die linke Kudüm (genou). Die Notation von Thibaut und Yekta (vgl. NB 3) läßt den Fehler deshalb nicht erkennen, weil alle Noten in die gleiche Richtung kaudiert sind, die Kaudierung daher ohne einen Aussagewert ist, welcher somit allein den Bezeichnungen zufällt, die aber mehrdeutig sind. Der Fehler liegt in der Zuordnung: linke Kudüm = linke Hand, rechte Kudüm = rechte Hand. Wir hatten gesehen, daß aus der Reihe der Zuordnungen (vgl. I.Abschnitt) das Glied 'linke (oder 'rechte') Hand' herausfällt. Vergleicht man die Distanz 5 im Beispiel der Klassikerausgabe (Tabelle: 8), so heißt die erste Hälfte dieser Distanz, die den darüber stehenden 'teke' entspricht: die rechte Hand schlägt die linke (!) Kudüm; die linke Hand schlägt die linke Kudüm. Die Verwirrung ist eindeutig nur gelöst durch diese Notation und ihre Aussage. Das sukzessive 'düm - tek' bei Thibaut und Yekta kann sich demnach nur auf ein sukzessives 'rechte Hand - linke Hand' beziehen; beide Male muß aber richtig die linke Kudüm geschlagen werden.
 
Diese Feststellung hat Auswirkungen. Betrachtet man nämlich die Sektion 'teka' am Ende des Devri kebir (Tabelle, Distanz 13 - 14), so sind die Beispiele 4) bis 7) und 10) und 11) dem gleichen Fehler unterlegen und endlich nur so zu notieren, wie die Distanz 13 - 14 in Beispiel 8) der Tabelle:
 
Notenbeispiel 13
 
 
 
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Außerdem ist festzuhalten, daß das 'teke' beziehungsweise das 'teka' sowohl als Sektion auftreten kann (Tabelle: 1), ferner als 'Sektionshälfte' (Tabelle 1 - 8 und 10 - 12, Distanz 13 und 14), als schließlich auch, noch einmal um die Hälfte verkürzt, in der halben Distanz (z.B. Tabelle: 8, Distanz 5, 8 oder 11).
 
Im Beispiel 8) der Tabelle erscheint das 'teke' als halber Distanzwert in der Distanz 5. Dieses 'teke' ist aber konstruktiver Bestandteil der Sektion 'düm' (Distanz 4 - 5) und bestätigt - wie ebenso das 'düme' - daß ein 'düm', sei es Sektion oder nicht, auf beiden Kudüm realisiert wird. Ein 'tek' hingegen, soweit es nicht die Kurzform für 'tahek' ist (Tabelle: 1 - 8, 10 - 12, Distanz 11 - 12), und ein 'teke' beziehungsweise 'teka' werden ausschließlich auf der linken Kudüm geschlagen. Das 'tahek' ist hinlänglich beschrieben worden.
 
Läßt sich nun, wie wir es getan haben, für die Bezeichnungen 'düm', 'tek', 'teke', 'teka' und 'tahek' jeweils eine begrenzte Anzahl von 'möglichen Figuren' festlegen, ein 'Repertoire von Strukturformeln', so ist zu fragen, ob nicht bestimmte Kriterien vorhanden sind, nach denen, bei Kenntnis des Gerüstes (Asli zarplar) des Usul und jener aus den Sektionen abgeleiteten 'Strukturformeln', der Usul in 'vollständiger' Form jederzeit rekonstruierbar ist. Nimmt man als Beispiel etwa die Sektion 'düm', die dreimal im Gerüst (Asli zarplar) des Devri kebir erscheint und jeweils von gleicher Dauer ist (Distanz 1, 2 und 10), dann wäre das Kriterium die 'Gleichheit' dieser 'düm'. Denn Name und Dauer dieser Sektionen sind identisch; vermutet werden kann deshalb, daß dahinter sich der gleiche rhythmische Sachverhalt verbirgt.
 
Folgerichtig wäre dann unter den 'Figuren', wie wir sie in NB 11 zusammengestellt haben, für die zeitgleichen 'düm' lediglich auszuwählen. Das hieße weiterhin, um ein Beispiel zu geben, daß in Nummer 8) der Tabelle die ersten beiden Distanzen vertauschbar wären. Andere Beispiele ließen sich ebenso anführen: das Bild des Devri kebir würde sich somit ständig wandeln. Dieser 'Möglichkeit' widerspricht das vorliegende Material. Offensichtlich sind jene 'Strukturformeln' in einer bestimmten Organisation an den Usul unmittelbar gebunden.