II. Abschnitt

Zur Notation

des Devri Kebir, 3.

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von dr. heinz - peter seidel
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start: 07 june 2006, up-date: 07 june 2006
Der Usul Devri kebir ist definiert durch die festgelegte Abfolge von Sektionen, welche in einem festgelegten Verhältnis relativer Dauern zueinander organisiert sind. (8)
 
Wenn etwa Beispiel 1) und 6) in der Tabelle wohl die gleichen Verhältnisse wiedergeben, indessen von verschiedenen Zählzeiten ausgehen, so haben wir in der Aufteilung der Tabelle in senkrechte Spalten von gleicher Breite einen neutralen Meßwert, der den jeweils horizontal notierten Verlauf einer Lesart des Devri kebir in vierzehn Distanzen schneidet. Lesen wir diese Distanzen 'sektionsweise' senkrecht an den zwölf Lesarten der Tabelle ab, so bekommen wir ein Bild der Unterteilung der Sektionen in kleinere Zeitwerte.
 
Augenfällig mag zunächst vielleicht die Sektion 'tahek' sein, von der im I. Abschnitt lediglich ihre Funktion innerhalb des Usul benannt werden konnte, die aber durch die Aussage 'vers la fin des rythmes turcs' allein nicht zu lokalisieren war. In den Beispielen 2), 3), 7), 10), 11) der Tabelle ist in der Distanz 11 - 12 das 'tahek' explizit angegeben. Die Notation von Öztuna (Tabelle: 10, 11) macht deutlich, was Thibaut 1906 über das 'tahek' geschrieben hatte: daß es aus zwei isochronen Teilen bestehe, deren erster ein 'tek' ist, der zweite ein simultanes 'dürm- tek' beider Hände. Ziehen wir die Aussage Yektas (1922), 'le tahek est essentiellement un tek', hinzu, so wird an den Beispielen 1), 4), 5), 6) und 12) der Tabelle klar, was früher bereits angedeutet war: bestimmte Sektionsbezeichnungen sind austauschbar.
 
Die mehr oder minder ausfühliche Benennung des Usul setzt die genaue Kenntnis des Gemeinten voraus; nur so ist ein Kode sinnvoll. Hinter dem 't' in Beispiel 4) und 5) der Tabelle verbirgt sich die Sektion 'tahek', reduziert zum Buchstaben, der etwas anderes bedeutet als in der Klassikerausgabe die Abküzung 't', welche nur besagt, daß die rechte Hand die linke Kudüm zu schlagen habe. Diese Anweisung und die anderen bereits bekannten treffen auf das 'ausnotierte' 'tahek' im Beispiel 8) der Tabelle zu. Die Distanz 11 - 12 zeigt dort die Folge:
 
Notenbeispiel 6
 
 
 
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Distanz 11 erfordert das 'tek' (linke Kudüm) als Folge: 'rechte Hand - linke Hand - rechte Hand - linke Hand'; das 'simultane' 'düm - tek' ist als zweifaches 'düme' gegliedert und nach den Anweisungen in der Klassikerausgabe auszuführen. 'Düme', das dem 'düm' zugehört, wird sukzessiv auf beiden Kudüm realisiert. Nur die eindeutige Bezeichnung 'd - m' schützt in diesem Falle vor der falschen Lesart 'd - t'.
 
Problematisch wird die Frage nach dem 'tahek' im zweiten Beispiel aus der Klassikerausgabe (Tabelle: 9). Es handelt sich hier um den 'Muzaaf Devri kebir'. 'Muzaaf Devri kebir' heißt 'doppelter', 'verdoppelter', 'vervielfachter' Devri kebir. (9) Dieser Usul ist, entsprechend der Klassikerausgabe, in die Tabelle in zwei 'Durchgängen' durch die Distanzen 1 - 14 eingetragen. Das 'tahek' liegt demnach in beiden Durchgängen, wie bei den anderen Lesarten, in der Distanz 11 - 12, heißt also:
 
Notenbeispiel 7
 
 
 
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Es verwundert, daß die Distanz 12 kein wie immer geartetes 'düm' aufweist. Betrachtet man in beiden Durchgängen des Beispiels 9) der Tabelle etwa die Distanz 1, welche die Sektion 'düm' darstellt, wird der Widerspruch noch eklatanter. Der ganze zweite Durchgang dieser Sektion ist, in Beziehung zum ersten Durchgang, zwar dessen zeitliche Wiederholung, zeigt aber eine gänzlich andere Charakteristik. Wir lassen den 'Muzaaf Devri kebir' zunächst außer Acht, kommen hingegen im III. Abschnitt dezidiert auf diesen Usul zurück.
 
Für das 'tahek haben wir in NB 6 die 'vollständigste' Form aus allen Lesarten, außer Beispiel 9) der Tabelle, herausgezogen. Liest man weiterhin auch die anderen Sektionen an der Tabelle senkrecht ab, so erhält man für das 'düm' in Distanz 1 folgende 'Figuren', die wir grundsätzlich auf den einheitlichen Distanzwert einer halben Note augmentieren:
 
Notenbeispiel 8
 
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Das zweite 'düm' erbringt eine neue Figur (Tabelle: 8):
 
Notenbeispiel 9
 
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und eine weitere Figur:
 
Notenbeispiel 10
 
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aus der, den anderen Distanzen zeitgleichen Distanz 10 des Beispiels 8) der Tabelle. Für die Sektion 'düm' im Zeitwert von einer Distanz ergibt sich daher diese Repertoire 'möglicher' Figuren:
 
Notenbeispiel 11
 
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