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start:
08
may 2006,
up-date: 08
may 2006
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| Die Mängel dieser Notation erweisen sich an der Unbestimmtheit der Bezeichnungen 'düm', 'tek' und so fort, deren Verständnis aber Voraussetzung zum 'richtigen Lesen' der Usul ist (vgl. I. Abschnitt). | |||||||
| Zwei weitere Arten der Notation des Devri kebir, die von Yilmaz 0ztuna (Tabelle: 10 und 11) und die von Suphi Ezgi, sind deswegen interessant, weil aus beiden ein Moment ablesbar ist, das wir bisher noch nicht berücksichtigt haben. Beide repräsentieren nämlich eine bestimmte Auffassung von der 'Entstehung' des Devri kebir. Bei Ezgi findet sich dieser Usul wie folgt notiert: (6) | |||||||
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| NB 4a stimmt in den drei Punkten, die wir für die originale Notation des Devri kebir bei Thibaut und Yekta (NB 3) genannt hatten, überein, nur daß bei Ezgi die Zeitwerte ins Notensystem eingetragen worden sind. Die Zahlen über dem System drücken die gleichen Verhältnisse aus, wie die Notenwerte. Sie wären im Gegensatz zur Notation bei Haydar Sanal (Tabelle: 12) nicht nötig, zumal zusätzlich die Vorzeichnung 28/4 steht. Der Usul ist mit dem Doppelstrich zu Ende. Die gepunkteten Linien teilen ihn in Abschnitte, deren relative zeitliche Verhältnisse noch einmal in Klammern zu Beginn eines jeden solchen 'Abschnittes' steht. Ezgi sagt nun, daß der Devri kebir aus diesen Zeitmaßen zusammengesetzt sei: 1. ein 'yürük semai', 2, zwei zeitlich gleiche 'sofian', 3. ein 'yürük semai' und 4. zwei zeitlich gleiche 'sofian'. (6a) | |||||||
| 'Yürük semai' und 'Sofian' sind zwei selbständige Usul, die für Yürük semai mit der Vorzeichnung '6/8' (Thibaut 19o6, S. 388) oder '6/4' oder '6/2' (beide: Yekta 1922, S. 3031) und für Sofian mit der Vorzeichnung '8/4', '9/4' (Thibaut 1906, S. 386) oder '2/2' (Yekta 1922, S. 3028) angegeben werden. | |||||||
| Setzt man diese beiden Usul entsprechend der Auffassung Ezgis zusammen, so ergibt sich ein Bild, welches dem in NB 4a keineswegs mehr gleicht: | |||||||
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| Wenn wir vom Devri kebir behauptet haben, daß seine Lesarten mehr oder minder 'unvollständig' sind, so machen wir bezüglich des Yürük semai und des Sofian die gleiche Voraussetzung. Das hieße, daß in NB 5 die beiden Rhythmen auch in anderer Gestalt stehen könnten, die dann vielleicht ein Bild ergäben, wie Ezgi es mitteilt (NB 4a). Indessen führt von den uns bekannten Lesarten des Yürük semai wie des Sofian eine andere 'Zusammensetzung' zu keinem günstigeren Ergebnis. Ein Vergleich der Organisation von 'dürn' und 'tek' usw. in diesen Usul mit der im Devri kebir läßt vielmehr vorerst nur den Schluß zu, daß Ezgi zwar die 'großen' Usul aus einigen 'kleineren' Usul zusammengesetzt versteht, doch auch dann nur die Zeitdauern der 'kleinen' Usul meint, nicht aber deren spezifische Physiognomie. Das geht auch aus den Zeichen '/' und 'î' über den Notenköpfen in NB 4a hervor, die offensichtlich Akzentzeichen sind: '/' = schwer, 'î' = leicht. Damit ergibt sich allerdings zu der Betonungsordnung, die Ezgi im Text zu NB 4a explizit angibt, ein interessanter Dissens, dem man bereits in den ersten drei Notenwerten begegnet. Das erste 'düm' sei "stark" ("kavî"), heißt es bei Ezgi, das zweite 'düm' sei ebenfalls "stark" ("kavî") und das dritte 'tek' sei "halb stark" ("nim kavî"). | |||||||
| Wie
der I. Abschnitt gezeigt hat, entspricht hier die Akzentfolge den Akzentwerten
der Bezeichnungen 'düm' und 'tek'. Der Widerspruch zeigt sich aber in der Notation Ezgis; dort sind die ersten drei Noten überschrieben mit '/, î, î ', besagen also: 'stark, schwach, schwach' und ergeben somit das Akzentbild eines 3/2-Taktes: Nicht anders sind die anderen 'Abschnitte' in NB 4a zu verstehen. |
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| Eine genauere Untersuchung dieser Notation haben wir deshalb vorgenommen, weil sie in sich sowohl eine nicht weiter belegte Auffassung von der 'Entstehung' (Zusammensetzung) des Devri kebir und, mit der Verwendung der Bezeichnungen 'düm' und 'tek', das spezifisch türkische Element der Usul-Darstellung vereinigt, als auch durch die Aufzeichnung in abendländischer Notenschrift ein deutlicher Hinweis darauf gegeben wird, daß 'Usul' als 'Takt' oder aus 'kleineren Takten' 'zusammengesetzter Takt' zu verstehen sei. Die Verwirrung, die jene Notation beispielhaft stiftet, führt direkt zu der Frage, ob die abendländische Notenschrift überhaupt zur adäquaten Darstellung der uns betreffenden musikalischen Sachverhalte geeignet sei. (6b) Auch die zweite Lesart des Devri kebir (NB 4b) zeigt, ohne daß die Notation entsprechend dem ersten Beispiel noch einmal ausgeleuchtet werden müßte, die gleiche Problematik. Zieht man aber von Ezgis Lesarten sozusagen die 'nicht türkischen' Elemente ab, so entspricht NB 4a der Lesart (6) und NB 4b der Lesart (4) der Tabelle; beide erscheinen auf diese Weise lediglich in den Zeitwerten im Verhältnis 1 : 2 augmentiert. | |||||||
| Die
Lesarten von Yilmaz Öztuna (Tabelle: 1o und 11) sind ebenfalls 'abendländisch'
notiert. Neben bereits bekannten Momenten sind hier echte Tonhöhen notiert (g', d''), welche den Tonabstand der beiden Kudüm andeuten. Wieder gerät man in die gleiche, bei Ezgi schon skizzierte Schwierigkeit. Die Aneinanderreihung kleinerer Zeitmaße, bezogen auf die Zählzeit 1/4, ergibt zwar als Summe 28, wie sie sich in der Vorzeichnung niederschlägt, aber die Physiognomie dieser kleineren Zeitmaße in der Anordnung: 'Senguin semai' (6/4), zwei 'Sofian' (44), 'Senguin semai' (6/4), zwei 'Sofian' (4/4) zeigt ein Bild, das der Organisation von 'düm' und 'tek' im Devri kebir nicht mehr entspricht. |
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| Die Frage nach der Entstehung, Herkunft und 'Zusammensetzung' des Devri kebir und anderer Usul führt in unserer Untersuchung nicht weiter. Die Methoden der Untersuchung hätten andere zu sein und ob die nötigen historischen Materialien dazu einmal bereitgestellt werden können, bleibt ungewiß. Als kennzeichnend aber für die Situation, wie sie in der Literatur entgegentritt, mag die etwas offensive, doch treffende Bemerkung von Jules Rouanet gelten: | |||||||
| "De
ces règles et de cette importance du rythme les théoriciens
modernes ne nous ont gardé que des notions imprécises tout
à fait insuffisantes pour conditionner une théorie de leur
science actuelle du rythme. Tous rendent hommage à la nécessité de ce rythme; mais leur avis diffère souvent sur la composition et la durée d'un même rythme, et s'ils parlent des règles avec un respect religieux, ils sont la plupart incapables d'en formuler une seule; ou bien ils se contentent d'invoquer l'autorité de leur maître, autorite à laquelle, souvent dans la même région, est opposée par d'autres exécutants l'autorité d'un autre maître." (7) |
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| Wir haben festgestellt, daß die Gestalt des Usul Devri kebir durch die besondere Abfolge der Sektionen eindeutig fixiert ist. Das heißt, daß das Gerüst des Usul, seine 'Grundform' ('Asli zarplar', Tabelle: 1) nicht weiter reduziert werden kann, ohne dabei diesen Usul zu zerstören. Aus dem Beispiel (1) der Tabelle erkennen wir neben der Abfolge der Sektionen (düm, düm, tek, düm, tek, tek, düm, tek, tek - ka) aber auch das Verhältnis der relativen Dauern dieser Sektionen zueinander, wie es in bloßen Zahlenverhältnissen bei Sanal (Tabelle: 12) ausgedrückt ist. Wir können also für den Devri kebir allgemein den Satz aufstellen: |