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den sinnvollen Umgang mit den im 1. Abschnitt vorgestellten Bezeichnungen
gilt die Voraussetzung, daß ein rhythmisches Muster 'Usul' entweder
bekannt oder aufgezeichnet, also notiert ist. Unsere Untersuchung ist nur
durch die Vorlage des letzteren Falles möglich. Tatsächlich erscheint
der Usul Devri kebir in der Literatur vergleichsweise häufig mitgeteilt,
so daß sich durch Vergleich bestimmte Aussagen machen lassen. Nicht
nur ist der Devri kebir aber in unterschiedlichen 'Notationsarten' mitgeteilt,
sondern scheinbar auch in verschiedenen 'Gestalten'. Die Tatsache, daß
verschiedene Arten der Notation denselben Sachverhalt ausdrücken, verlangt
prinzipiell nur eines: daß in jedem Falle der Sachverhalt klar erkennbar
ist. Die scheinbare Existenz verschiedener 'Gestalten' des Devri kebir hat
seinen Grund darin: das Gerüst dieses Usul ist durch die verbindliche
Anzahl und 'Größe' und die festgelegte Abfolge seiner Sektionen
bestimmt; die Sektionen aber sind, wie wir gezeigt haben, zu komplettieren.
In den verschiedenen Notationen des Devri kebir sind einige Sektionen ausnotiert,
andere hingegen nicht. Das heißt, daß die 'Gestalt' des Usul
gleichbleibt, seine Aufzeichnung dagegen verschiedene 'Lesarten' wiedergibt,
die mehr oder weniger vollständig sind. |
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| Die
Tabelle am Schluß der Arbeit zeigt, vertikal durchnumeriert, zwölf
verschiedene Lesarten des Devri kebir. Die Textstellen, denen sie entnommen
wurden, sind auf der letzten Seite neben der Tabelle belegt. In unserem
Text beziehen wir uns der Einfachheit halber auf die Nummer der jeweiligen
Lesart, wie sie aus der Tabelle hervorgeht; auch in Verbindung mit dem Namen
des Autors, der eine Lesart mitteilt, zum Beispiel: 'Öztuna (Tabelle:
10)'. Einige Lesarten, die in die Tabelle nicht aufg nommen worden sind,
unterscheiden sich lediglich durch eine andere Art der Notation und haben
auf unseren Versuch, die vollständige Gestalt des Devri kebir in den
Peþrev der Mevlevi dingfest zu machen, keinen Einfluß. Werden
sie zu Vergleichszwecken, die dann hauptsächlich die Frage der Notation
berühren, herangezogen, so erscheinen sie im fortlaufenden Text als
'Notenbeispiel
1' ('NB 1') und so fort zitiert. |
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| Auf
den horizontalen Linien der Tabelle ist jeweils eine Lesart des Devri kebir
notiert. Das Verhältnis der Notenwerte zueinander ergibt sich aus der
von den Autoren angegebenen Vorzeichnung: 14/4, 14/2, 28/4. Die vertikalen
Linien teilen die Lesarten in vierzehn gleiche 'Distanzen' von relativer
Zeitdauer, die zum leichteren Lesen der Tabelle zwischen den Lesarten 1)
und 2) sowie 9) und 10) durch arabische Ziffern von 1 bis 14 waagerecht
eingefügt sind. Die Darstellung in dieser tabellarischen Form erlaubt,
die Lesarten im Verhältnis 1: 2: 4 beliebig zu vergleichen. So ist
zum Beispiel an der ersten senkrechten Spalte (Distanz 1) abzulesen, wie
das erste 'düm' im Devri kebir als Sektion notiert und strukturiert
sein kann und so fort. |
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| Für
die Usul-Gestalt ist gleichgültig, in welcher Zeit sie realisiert wird,
welcher Zeitwert - ausgedrückt durch den ebenfalls relativen Wert einer
Zahl oder Note - als messendes Element dem Usul zugrunde gelegt wird. Die
Möglichkeit, die Zählzeit als messenden Bezugswert relativ zu
belassen, geht aus einem Zitat von Thibaut (1906, S. 385) hervor: |
| "La
temps premier adopté pour la composition d'une mélodie quelconque
ayant la valeur conventionelle d'une noire, le vers musical renferme-t-il
6,9,12,13, 16, 2, 60, 64 et jusqu'à 88 fois cette valeur, la mésure
de cette mélodie est le 6/4, le 9/4, le 12/4, le 13/4, le 16/4, le
28/4, le 60/4, le 64/4, voire le 88/4. |
| Le
temps.premier adopté étant la croche, le vers musical renferme-t-il
7, 8, 9, 10 fois cette valeur, la mésure de la mélodie est
le 7/8, le 8/8, le 9/8, le 10/8, etc." |
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| Indem
wir die Frage nach der Verbindlichkeit eines in seinen Zeitwerten augmentierten
oder diminuierten Devri kebir vorerst außer acht lassen, können
wir die Vorzeichnungen 14/4, 14/2, 28/4 und ihre Interpretationen ebenso
übergehen, und wenden uns der Betrachtung der Lesarten zu. |
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| Die
Darstellung des Devri kebir von Haydar Sanal (Tabelle: 12) gibt neben der
Anordnung der Sektionen lediglich deren zeitliche Relationen ohne verbindlichen
Bezugswert an. Die gleichen Informationen erhaltern wir aus der Klassikerausgabe
(Tabelle: 1), wo indessen die Zählzeit vorgegeben ist.
(1) Zusätzlich weist die
Kaudierung der Noten auf die Zuordnung der Sektionen zur rechten oder linken
Kudüm hin. Nun dient an dieser Stelle in der Klassikerausgabe die eben
beschriebene Lesart (Tabelle: 1) dazu, unterhalb ihrer den ausnotierten
Usul zum Vergleich entgegenzustellen: |
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| Notenbeispiel
1 |
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| img0000000555 |
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| Die
Anordnung der Sektionen auf der obersten Waagerechten ist als "Asli
zarplar" gekennzeichnet, was sinngemäß als 'ursprüngliche,
eigentliche Schlaganordnung' zu übersetzen wäre. (2)
Die von dieser Grundform herabführenden Schrägstriche
klammern die den Sektionen entsprechenden Zeitwerte als strukturelle Momente
der - mehr oder minder - vollständigen Gestalt des Usul ein. Diese
ist notiert auf zwei Linien, von denen die obere die "sag kudüm"
(= "rechte Kudüm"), die untere die "sol kudüm"
(= "linke Kudüm") vertritt. Die auf der oberen Linie nach
oben kaudierten Zeitwerte mit den Abkürzungen 'D' und 'd' sind 'düm'-Schläge
auf die rechte Kudüm; die Zeitwerte auf der unteren Linie mit den ablesbaren
Abkürzungen repräsentieren die 'tek'-Schläge. Dabei wird
deutlich, was im ersten Abschnitt bezüglich der unterschiedlichen Bedeutung
von 'düm' und 'tek' gesagt worden ist: ob mit der gleichen Bezeichnung
eine Sektion oder ein Unterteilung schlag gemeint ist. Doch wird man bei
unserem Notenbeispiel dieses Problems enthoben: die Schlaganweisungen aus
der Klassikerausgabe lassen nur eine mögliche Realisation des hier
abgekürzt mitgeteilten Beispieles zu. |
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An
dieser Stelle seien zwei Bemerkungen eingeschaltet:
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| 1.
Im I. Abschnitt wurde eingangs die Bezeichnung 'düme' (Abkürzung:
'd - m') als 'Sonderfall' aufgeführt. Eine Erklärung dazu haben
wir bislang aufgespart, weil uns das 'düme' ausschließlich aus
der Klassikerausgabe bekannt ist. Für die Herkunft dieser Bezeichnung
haben wir keinerlei Anhaltspunkte bekommen können. Vermutlich aber
haben die Autoren, welche den besagten Text in der Klassikerausgabe verfasst
haben, in dem Bestreben, die Schlaganweisungen absolut und eindeutig zu
determinieren, das 'düme' zur Kennzeichnung eines bestimmten Sachverhaltes
eingeführt. Wie gezeigt werden wird, tritt das 'düme' nie als
Sektion auf. Vom Namen her ist es zweifellos eine Ableitung von 'düm',
darf daher als dem Bereich des 'düm' zugehörig gelten. Das 'düme'
erscheint im zitierten Notenbeispiel (NB 1) als die vorletzten zwei Achtel
in der Abfolge 'd' = die rechte Hand schlägt die rechte Kudüm
und 'm' = die linke Hand schlägt die linke Kudüm. Genau so lautet
auch die Schlaganweisung in der Klassikerausgabe. |
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| 2.
Im Gegensatz zu 'Asli zarplar', der 'Grundform' des Usul, ist im Notenbeispiel
der auf zwei Linien ausnotierten Gestalt des Usul das Wort "velveleler"
vorangestellt. Das Problem des 'velvele' wird im nächsten Abschnitt
gesondert behandelt werden. Wenngleich wir in diesem bereits mit Beispielen
des Devri kebir umgehen, die der 'Vorschrift des velvele' unterliegen, kann
die Problematik einer Vorschrift doch abgelöst betrachtet werden von
den Erscheinungsformen, die sie bewirkt. |
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Das
zweite Notenbeispiel zeigt den Beginn des Devri kebir, wie ihn Kurt Reinhard
notiert: (3)
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| Notenbeispiel
2 |
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| img0000000556 |
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| Reinhard
bemerkt dazu: |
| "Die
tiefen Hauptschläge liegen in unserer Darstellung unter, die höheren
Nebenschläge über dem Strich. Die Gliederung nach Art eines 4/4-Taktes
soll in erster Linie den Überblick erleichtern, sie ist aber doch nicht
ganz willkürlich, denn die Becken werden ganz regelmäßig
auf die ersten und dritten Viertel dieser Pseudo-Takte geschlagen."
(4) |
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| Es
handelt sich bei diesem Beispiel um die gleiche Usul-Gestalt wie in NB 1,
das heißt, die Disposition der Notenwerte ist in beiden Beispielen
identisch. Die Zuordnung der Schläge des 'düm' und des 'tek' geht
aus NB 2 eindeutig hervor. Im Vergleich zu NB 1 entsprechen hier die nach
oben kaudierten Werte mit dem Notenkopf unterhalb der Waagerechten dort
der oberen Linie ("sag kudüm"); die nach unten kaudierten
Werte mit dem Notenkopf oberhalb der Waagerechten entsprechen der unteren
Linie ("sol kudüm") in NB 1. Was die Ausführung der
einzelnen Schläge anbelangt, so ist eine Differenzierung in der Notation
des NB 2 nicht ersichtlich. |
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| Für
die bessere Übersicht in unserer Tabelle haben wir die Beispiele 1)
bis 9) jeweils auf einer horizontalen dargestellt; die kaudierung nach oben
beziehungsweise nach unten erreicht denselben Effekt, wie die zwei Linien
in NB 1 oder die Notierung der Notenköpfe oberhalb und unterhalb der
Mittellinie in NB 2. Die Beispiele 8) und 9) der Tabelle sind in der Klassikerausgabe
auf zwei Linien notiert (vgl. NB 1). Durch die genaue Eintragung der 'D',
'T', 't', 'k' und so weiter, ist in der Tabelle in allen Einzelheiten derselbe
Sachverhalt dargestellt, wie in der Klassikerausgabe. Das trifft gleichermaißen
für die Beispiele 2) bis 7) (von Thibaut und Yekta) in der Tabelle
zu. Im Original sind diese nur durch die Vorzeichnung 14/4, 14/2, 28/4,
durch entsprechend zueinander in Relation stehenden Notenwertern und durch
die darübergesetzten ausgeschriebenen oder abgekürzten Bezeichnungen
mitgeteilt. Notenbeispiel 3 gibt einige Beispiele des Devri kebir in dieser
Notation wieder: (5) |
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| Notenbeispiel
3 |
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| img0000000557 |
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