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start:
10 mai 2004, up-date: 10 mai 2005
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Das
"Huhn/ Ei"- Problem
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Alle
Autoren sind sich einig, dass der Jazz auf dem amerikanischen Kontinent
von den Afro-amerikanern geschaffen worden ist.
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Jedoch
ihre historischen Wurzeln , vor allem die ihrer Harmonik, sind umstritten.
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Diesbezüglich
existieren zwei bedeutende Thesen:
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1)
Nach der meist verbreiteten These entleiht der Jazz seine Harmonik aus
der europäischen Kunstmusik.
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Unbestritten
ist, dass die aus Afrika deportierten Sklaven in Amerika genügend
Anlässe hatten, den europäischen Musikgattungen, vor allem Märschen,
Kirchenmusik, Schlagern und Tänzen zu begegnen.
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Die
Vertreter dieser These haben hauptsächlich zwei verschiedenen Meinungen:
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a)
Die Afro-Amerikaner wandelten die Harmonik der tonalen Musik nach ihren
Hörgewöhnheiten um.
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b)
Jazzharmonik entstand durch die "unsaubere Nachahmung" der europäischen
Musik.
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2)
Nach der zweiten These liegen im Grunde der Jazzharmonik verschiedene
afrikanische Extensionen.
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Auf
Grund der zahlreichen Literatur, werde ich mich im Folgenden auf jeweils
einen Vertreter der oben erwähnten Thesen beschränken.
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1:
a) Umwandlung der tonalen Harmonik
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| Burbat ist ein Vertreter der ersten These: | ||||||||||||||||
| Auf den Stufen I, IV und V stehen Durdreiklänge, auf den Stufen 11, 111, VI Molldreiklänge und auf der Stufe VII ein verminderter Dreiklang. Die Dreiklänge auf den Stufen I, IV und V haben in der europäischen Musik (und damit auch im Jazz, dessen Harmonik weitgehend aus der abendländischen Kunstmusik herkommt) eine besondere Bedeutung erlangt. Burbat, 1988, S.18, B565B | ||||||||||||||||
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Burbat
macht kaum historische Erläuterungen. Sein Zugang ist "musiktheoretisch".
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Am
Beginn seiner Betrachtungen stehen die diatonische Tonleiter (wörtlich
C-dur Skala) und Kirchentonarten (wörtlich C-dur Skala und ihre Modi).
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Inwiefern
die Kirchentonarten bei der Entstehung des Jazz eine Rolle spielten, ist
fraglich.
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| Jedoch dem"Modi- Gedanken" werden wir im Folgenden noch einmal begegnen. | ||||||||||||||||
| Umwandlung der Heptatonik zur Pentatonik | ||||||||||||||||
| Nach Betrachtung der C- dur Skala und ihrer Modi, zog er als zweiten Schritt zur Gründung der Jazzharmonik die Pentatonik in Betracht: | ||||||||||||||||
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Pentatonische Tonleitern sind in allen Musikkulturen der Welt zu finden. So nimmt es nicht wunder, daß sie auch an der Wiege des Jazz Pate gestanden haben - wie im Blues und Spiritual. Dann traten sie etwas in den Hintergrund. Seitdem John Coltrane Anfang der sechziger Jahre, beeinflußt durch außereuropäische Musik, pentatonische Skalen in den Jazz wiedereingeführt hat, sind sie aus dem Spiel vieler heutiger Musiker nicht mehr wegzudenken. Burbat, 1988, S.15, B565B |
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| Er geht auf die Frage "historisch- transkulturell gesehen, warum?", nicht näher ein,. | ||||||||||||||||
| Wir können diese Frage hier stellen und mit der Häufigkeit der pentatonischen Skalen in den afrikanischen Musikkulturen beantworten. | ||||||||||||||||
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Somit
vertritt Burbat unausgesprochen die These, dass die Afro- Amerikaner die
europäischen Skalen nach ihren Hörgewohnheiten "umwandelten".
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C-dur
Pentatonik und ihre Modi
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Aus
dieser Skala bildet er 5 Modi:
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| Erweiterung der Funktionalität | ||||||||||||||||
| Nach den bisher dokumentierten Betrachtungen von Burbat, wurde die europäische Skala von den Afrikanern übernommen und unter Extension der pentatonischen Skalen -voher sie immer kommen mögen- umgewandelt. | ||||||||||||||||
| Das zweite Moment der Umwandlung betrifft die Akkorde und Akkordfunktionalität der tonalen Musik. | ||||||||||||||||
| Als nächsten Schritt werden die europäischen 3- Klangakkorde übernommen und ihre Funktionalität erweitert. Damit entstehen die folgenden funktionalen Stufen: | ||||||||||||||||
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| Erweiterung des Akkord- Ambitus | ||||||||||||||||
| Als nächster Schritt werden die 3-Klangakkorde mit der Septime erweitert. Die 4- Klangakkorde sind die Basisakkorde des Jazz. | ||||||||||||||||
| "Während - anders als in der Klassik - Dreiklänge im Jazz nur sehr selten auftreten, bilden Vier- und vor allem Fünfklänge die Regel, auch sechs- und gelegentlich sogar siebenstimmige Akkorde (also als Akkord geschichtete Skalen) kommen vor. Vierklänge (im allgemeinen Septakkorde) bilden im Jazz die Basisklänge, die den Akkordtyp festlegen. Die eventuell zu einem solchen Basisklang hinzugefügten Töne (Nonen, Undezimen, Tredezimen) nennt man Akkorderweiterungstöne." Burbat, 1988, S.20, B565B | ||||||||||||||||
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Der nächste Schritt ist der Abstand vom Aufbau des tonalen Akkordes und damit Umwandlung der bildlichen und klänglichen Form des Akkordes. |
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| "Wir verzichten in der Funktionsbezeichnung der Akkorde im allgemeinen auf die Benennung der oberen Akkordtöne (Septen, Nonen usw.), da es um die Funktion des Akkordes, nicht um seinen genauen Aufbau geht. | ||||||||||||||||
| Ähnlich gehen wir auch bei der im Jazz üblichen Bezeichnung der Akkorde selbst vor: Wir legen ihren genauen Aufbau nur gelegentlich fest; meist vertritt ein Akkordsymbol einen bestimmten Akkord sowie eine Auswahl von Ersatzakkorden, deren genaue Bestimmung von dem Akkordtyp sowie seiner Funktion im Zusammenhang abhängt." Burbat, 1988, S. 20- 21, B565B | ||||||||||||||||
| In diese Akkorde können wir, ohne ihre Funktion aufzuheben, das gesamte Tonmaterial der Skala "einbauen". | ||||||||||||||||
| Wir können die bisher für die Dur-Tonart unternommenen Schritte auch für die Moll-Tonart wiederholen und zwischen Dur und Moll, wenn auch an gewisse Regeln gebunden, beliebig pändeln. | ||||||||||||||||
| Somit verfügen wir über eine sehr viel größere Palette von Akkordformen, die in ihrer Funktionaliotät wiederum auf die erweiterten 7 Stufen der tonalen Funktionen zurückzuführen sind. | ||||||||||||||||
| Die Bluesskala und das Tonsystem | ||||||||||||||||
| Jetzt kommen wir aber auf das 3. Moment der Umwandlung des Übernommenen: | ||||||||||||||||
| Als eine der Vorstufen des Jazz wird Blues angesehen. | ||||||||||||||||
| Hier findet die Umwandlung des Tonmaterials nach der Extension afrikanischer Tonsysteme- ohne sie wörtlich zu erwähnen-statt: | ||||||||||||||||
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Interessant
ist, daß nicht nur - wie gewohnt - die Dominante mit kleiner Sept
gespielt wird, sondern auch Tonika und Subdominante. Dies hat melodische
Gründe, die in der Verwendung der blue notes liegen. |
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Notiert
werden die blue notes als die entsprechenden kleinen bzw. verminderten
Intervalle, z.B.
die blue notes in C: |
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| Fassen wir die drei blue notes mit den drei Grundtönen der Hauptfunktionen zusammen, entsteht die sechstönige Blues-Skala: | ||||||||||||||||
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Diese Tonleiter ist die c-moll-Pentatonik mit hinzugefügter verminderter Quinte. Wir können über den Blues improvisieren, indem wir allein Töne dieser Skala verwenden. Das Verfahren, nur eine Tonleiter über wechselnden Akkorden zu benutzen, nennt sich horizontale Improvisation, im Gegensatz zur vertikalen Improvisation, bei der die verwendeten Skalen im allgemeinen mit den Akkorden wechseln. |
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| Zusammenfassung: | ||||||||||||||||
| Nach Burbat ist die Harmonik des Jazz von der europäischen tonalen Musik übernommen. | ||||||||||||||||
| Jedoch -aus von ihn nicht erwähnten Gründen- umgewandelt worden. | ||||||||||||||||
| Da die Jazz Musik heute auf "westlichen" Instrumenten und Tonsystem praktiziert wird, können wir diese Umwandlung wieder in die "westlichen Musikkultur" "zurückführen". | ||||||||||||||||
| Diese Inkulturation- und Transkulturation- Prozeduren können wir in drei Momente Zusammenfassen: | ||||||||||||||||
| 1) Die Skalen: | ||||||||||||||||
| Die heptatonischen Skalen der tonalen Musik wurden von den Afro-Amerikanern übernommen, wurden auf Vorbild der afrikanischen Skalen pentatonisiert und in den umgewandelten Formen in die heptatonischen Skalen zurückgeführt. | ||||||||||||||||
| 2) Die Akkorde: | ||||||||||||||||
| Die Akkorde und ihre Funktionalität der tonalen Musik wurden von den Afro-Amerikanern übernommen, in ihrem Ambitus und ihrer Funktionalität und in ihrem Aufbau umgewandelt -bzw. erweitert- und wieder in ihre tonalen Funktionen zurückgeführt. | ||||||||||||||||
| 3) Tonmaterial wie auf diesem Material gebaute Skalen, sowie Akkorde der tonalen Musik, von den Afro-Amerikanern übernommen, nach der Extension der afrikanischen Tonsysteme umgewandelt und wieder in das 12- stufige temperierte System zurückgeführt. | ||||||||||||||||